Wer bin ich eigentlich, wenn mich gerade niemand braucht?
von Antje Petershagen – 11. Oktober 2026Die Frage klingt zunächst beinahe luxuriös.
Für Menschen, die über viele Jahre gearbeitet, Kinder großgezogen, Angehörige begleitet, Verantwortung übernommen, organisiert, entschieden und sich um andere gekümmert haben, kann sie allerdings ziemlich unbequem werden.
Denn gebraucht zu werden gibt unserem Leben Struktur.
Es sagt uns, wo wir hingehören und manchmal sagt es uns sogar, wer wir sind.
Ich erlebe Menschen, bei denen diese Ordnung nach einer Erkrankung plötzlich ins Wanken gerät, weil andere Aufgaben übernehmen, Entscheidungen abnehmen, Essen bringen, Termine organisieren und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit nicht sie diejenigen sind, die halten.
Aber diese Frage gehört nicht nur zur Krankheit.
Sie kann nach dem Auszug der Kinder auftauchen, am ersten Morgen ohne Beruf, nach dem Tod eines Menschen, um den sich vieles gedreht hat, oder irgendwann an einem stillen Samstag, an dem niemand anruft und nichts erledigt werden muss.
Es ist eine der schwierigeren Aufgaben eines langen Lebens, sich irgendwann nicht mehr ausschließlich über das zu erzählen, was man für andere tut und herauszufinden, was von mir übrig bleibt, wenn für einen Moment niemand etwas von mir möchte.
Ich danke "Frau Erna" ♥️ , die ich auf der Parkbank kennengelernt habe. Sie hat mir erzählt, dass sie keine Aufgabe mehr im Leben hat und sich ganz langsam verliert.
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