Wie viele Leben passen eigentlich in ein Leben?
von Friederike von Corratio – 21. August 2026Heute Abend im Coaching ging es um große Wünsche.
Meine Klientin ist 40.
Noch einmal studieren?
Noch ein Kind?
Noch einmal etwas ganz Neues beginnen?
Und irgendwann waren wir gar nicht mehr bei ihr.
Sondern bei einer Frage, die vermutlich jeden von uns irgendwann betrifft:
Wie viel Zukunft traue ich mir eigentlich zu?
Denn wir entscheiden ja selten nur zwischen A und B.
Wir entscheiden auch zwischen Bedürfnissen.
Zwischen Sicherheit und Möglichkeit.
Zwischen einem eigenen Wunsch und dem Wunsch nach Verbindung.
Zwischen dem, was wir wollen – und dem, was wir dafür möglicherweise verlieren.
Und gerade bei den großen Dingen wünschen wir uns doch jemanden, der sagt:
„Mach. Ich glaube an Dich. Ich gehe mit.“
Was aber, wenn niemand mitgeht?
Oder wenn genau der Mensch, den wir gerne an unserer Seite hätten, etwas anderes möchte?
Wie wichtig ist mir dann mein Wunsch?
Und wie wichtig die Harmonie?
Ich glaube, wir schauen ziemlich genau darauf, was es uns kosten könnte, einen Wunsch zu verfolgen.
Aber erstaunlich selten auf den Preis, den wir dafür zahlen, ihn nicht zu verfolgen.
Denn auch Nicht-Tun hat Konsequenzen.
Und vielleicht liegt genau dort die schwierige Wahrheit:
Es gibt Entscheidungen, bei denen es keine Variante ohne Verlust gibt.
Vielleicht hoffen wir deshalb so lange auf eine weitere Möglichkeit.
Eine, bei der alle mitgehen.
Niemand enttäuscht ist.
Nichts verloren geht.
Und wir vorher wissen, dass alles gut wird.
Nur gibt es diese Variante manchmal nicht.
Und vielleicht beginnt genau dort radikale Akzeptanz.
Nicht:
„Ich finde das gut.“
Nicht:
„Dann ist es eben so.“
Sondern:
Ich höre auf, darauf zu warten, dass die Wirklichkeit anders sein müsste, damit meine Entscheidung leichter wird.
Ich sehe, was ist.
Ich sehe, was ich will.
Ich sehe den Preis.
Und dann entscheide ich.
Vielleicht darf ich anschließend sogar um das Leben trauern, das ich deshalb nicht gelebt habe.
Ohne das gewählte Leben für falsch zu halten.
Denn vielleicht bedeutet Zufriedenheit gar nicht, irgendwann alles bekommen zu haben.
Vielleicht bedeutet sie auch, Frieden mit dem Preis der eigenen Entscheidungen zu schließen.
Meine Frage fürs Wochenende:
Wie viele Leben passen eigentlich in ein Leben?
Und vielleicht noch wichtiger:
Welches davon möchte ich wirklich leben - auch wenn nicht alle mitkommen?