Mein Mensch war eine Weile nicht auf LinkedIn.

von Christiane Fleischer – 22. Oktober 2026

Ich kann nicht genau sagen, was davor war. Ich bin erst seit Dezember dabei.
Ich heiße Bobby und habe seitdem allerdings einiges beobachtet.

Mein Mensch hat zwei Kinder, eine psychotherapeutische Praxis, ziemlich viele Bücher und offenbar grundsätzlich mehr Ideen als Zeit.

Sie arbeitet mit Menschen. Sie schreibt. Sie lernt. Sie denkt viel. Manchmal möglicherweise etwas zu viel.

Und in den vergangenen Monaten war ziemlich viel los.

Es wurden Dinge abgeschlossen und andere neu angefangen. Es wurde gelernt, gearbeitet, umgebaut, organisiert und ziemlich oft der Satz gesagt:
„Wenn das erst einmal erledigt ist, dann wird es ruhiger.“

Ich kann nach inzwischen zehn Monaten Beobachtung sagen:
Das mit dem Ruhigerwerden scheint bei Menschen nicht besonders zuverlässig zu funktionieren.

Neuerdings probiert mein Mensch deshalb etwas anderes.

Nicht erst alles erledigen und dann leben.

Sondern ihrem Leben eine Richtung geben, während es stattfindet.

Sie arbeitet in ihrer Praxis. Sie entwickelt neue Ideen. Sie schreibt wieder. Sie geht zum Sport. Neuerdings versucht sie Golf zu spielen.

Und jeden Tag geht sie mit mir raus.

Den letzten Punkt halte ich fachlich für besonders fundiert.

Ich glaube, sie hat in letzter Zeit etwas verstanden:
Man muss nicht das ganze Leben auf einmal erledigen.

Und vielleicht muss auch nicht erst alles fertig sein, bevor etwas Neues anfangen darf.
—
Danke, Bobby. Ab hier übernehme ich wieder selbst.

Nach einer längeren Pause möchte ich hier wieder schreiben.

Über Themen, die mich in meiner therapeutischen Arbeit beschäftigen. Und über Fragen, bei denen ich selbst immer wieder neue Zusammenhänge entdecke.

Wie prägen frühe Bindungserfahrungen unser heutiges Erleben und unsere Beziehungen?
Warum verstehen wir manchmal andere Menschen so gut, dass wir darüber unsere eigenen Bedürfnisse aus dem Blick verlieren?

Warum passen wir uns an, obwohl wir wissen, dass uns etwas nicht guttut? Und weshalb ist Fawning oft subtiler als bloßes Gefallenwollen?

Mich beschäftigt auch, wie unterschiedlich Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und verarbeiten. Was Neurodivergenz, insbesondere ADHS und Autismus, für unser Erleben bedeutet. Und wie sich neurodivergente Besonderheiten und traumatisch geprägte Schutzstrategien überlagern können, ohne dass sie dasselbe sind.

Vor allem interessiert mich eine Frage:
Wie können wir unserer eigenen Wahrnehmung wieder mehr vertrauen, unsere Bedürfnisse ernst nehmen und mit anderen in Verbindung bleiben, ohne uns dabei selbst zu verlassen?

Ich möchte hier Gedanken aus meiner Arbeit teilen und über die kleinen, oft unscheinbaren Momente schreiben, in denen unsere inneren Muster sichtbar werden.
Diese Situationen, bei denen man plötzlich denkt:
Ach. Deshalb mache ich das immer.

Fundiert. Persönlich. Und vielleicht ein bisschen weniger ernst als früher.

Bobby wird vermutlich gelegentlich mitreden.