Ich bleibe, bis es ist
von Ulrike Scholz – 01. Oktober 2026Heute bin ich seit zwei Jahren selbstständig. Zeit für eine kleine Reflexion.
Lange war ich damit beschäftigt, alles „richtig“ zu machen und „meine Ziele“ zu erreichen. Gleichzeitig fühlte ich mich fremdbestimmt und hatte den Eindruck, mein Leben zu verpassen.
Je mehr ich den Erwartungen anderer entsprechen wollte, desto müder und leerer fühlte ich mich.
Ich folgte dem „So ist es richtig“ im Außen und nicht meiner eigenen Stimme.
Die flüsterte mir schon länger zu, dass es Zeit wäre, zu leben. Ich ignorierte sie erfolgreich.
Bis mein Körper sich meldete und ich Zeit bekam, zuzuhören und hinzuschauen.
Stück für Stück begann ich, dieser Stimme zu folgen. Ich lernte, mir selbst zu vertrauen und wagte 2024 den Schritt in ein neues Leben.
In diesen zwei Jahren habe ich so viel gelernt wie nie zuvor. Auch mit über 50 lernfähig zu sein, ist ja ein gutes Zeichen. 😊
Aber es ist ein anderes Lernen.
Kein „Ich muss“ wie früher in Schule, Studium oder Beruf. Es ist ein Lernen in eigener Sache.
Dabei wurde eine Frage immer wichtiger:
Was passt zu mir?
Denn auch in der Selbstständigkeit schaut man zunächst, wie es andere machen.
Social Media, YouTube, Ratgeber, Kurse – überall gibt es Tipps, was funktioniert.
Das kann hilfreich sein. Aber man kann sich auch darin verheddern:
Noch etwas optimieren.
Onlinekurs? Überregional arbeiten? Bessere Praxislage? Weiterbildung? Werbung?
Und wenn der Erfolg nicht schnell genug kommt: Soll ich hinschmeißen?
Dabei vergessen wir leicht etwas:
Uns selbst. Unsere Individualität. Unser Warum.
Wenn ich mich pausenlos mit Selbstoptimierung, Kontrolle und der Angst beschäftige, nicht gut genug zu sein, bleibt wenig Raum für Kreativität.
Vielleicht entsteht die nämlich gerade dann, wenn wir loslassen, nicht wissen, wie etwas ausgeht und unserem Weg trotzdem folgen.
Schritt für Schritt. Im eigenen Tempo. Zeit nehmen und Zeit lassen.
Mein Aha-Moment in diesem Zusammenhang war:
Das Geheimnis für Erfolg liegt im Vertrauen.
Es liegt im Loslassen, im Empfangen und nicht im Erzwingen oder Kämpfen.
In meiner therapeutischen Arbeit erlebe ich, wie Menschen sich durch ständige Selbstoptimierung immer weiter von sich entfernen.
Bis sie sich fragen:
„Wann höre ich endlich auf zu kämpfen und fange an zu leben?“
Diese Menschen zu begleiten, ist mein Warum.
Es bestärkt mich darin, auf meinem Weg zu bleiben.
Nicht alles kontrollieren zu wollen, sondern mich daran zu erinnern, wofür ich losgelaufen bin.
Übrigens: Ich mache gerade eine Weiterbildung.
Nicht, weil ich noch besser werden muss.
Sondern weil mich das Thema interessiert und ich darauf Lust habe, Neues zu lernen.
Auch das gehört zu meinem Weg: Nicht das zu tun, was man tun muss.
Sondern herauszufinden, was zu mir passt.
Vielleicht ist diese Geschichte eine Inspiration für alle, die ebenfalls auf ihrem Weg sind.
Ich mache weiter. Ich bleibe auf meinem Weg. Ich bleibe, bis es ist.
#Selbstständigkeit #Selbstvertrauen #Psychotherapie