Im Vertrieb gab es für alles eine Zielvorgabe. Für mein Befinden nicht.

von Melanie J o c h e m – 03. November 2026

Ich erinnere mich an Quartalsgespräche, in denen Zahlen auf den Tisch kamen. Umsätze, Ergebnisse, Entwicklungen, Abweichungen von den Zielen. Es wurde genau hingeschaut, was erreicht worden war und wo noch Luft nach oben bestand.

Das gehörte dazu. Schließlich war das Teil meiner Arbeit. Und trotzdem erinnere ich mich an einen Gedanken, der mir irgendwann nach so einem Gespräch kam: Wann hat mich eigentlich zuletzt jemand gefragt, wie es mir geht? Und zwar wirklich?

Heute begegnet mir das Thema immer wieder in anderer Form. Wenn Frauen gefragt werden: „Wie geht es Dir?“, erzählen sie häufig erst einmal, was sie alles geschafft haben. Wie voll die Woche war, was noch ansteht, welche Herausforderungen sie gemeistert haben und was gerade alles gleichzeitig läuft.

Oder es kommt ein schnelles „Danke, gut“.
Und dann?

Manchmal ist diese Frage tatsächlich nur ein freundlicher Einstieg in ein Gespräch. Eine Floskel, auf die ein ebenso routiniertes „Gut, danke“ erwartet wird. Das kennen wir vermutlich alle.

Manchmal steckt aber auch ehrliches Interesse dahinter. Und dann wird es plötzlich gar nicht so einfach.

Was antworte ich jetzt? Erzähle ich wirklich, wie es mir geht? Wie viel möchte ich von mir zeigen? Ist hier gerade ein kleiner Leistungsbericht gefragt oder darf ich auch sagen, dass ich müde bin, dass mir etwas zu viel wird oder dass ich selbst gerade gar nicht genau weiß, wie es mir geht?

Ich glaube, diese Unsicherheit hat auch damit zu tun, dass wir so sehr daran gewöhnt sind, unser Leben über das zu beschreiben, was wir leisten und bewältigen.
Dabei ist unser Befinden keine Kennzahl. Es lässt sich kaum in eine Zahl fassen, in einen Fortschrittsbericht packen oder mit einem Zielwert vergleichen.

Und trotzdem darf die Frage gestellt werden. Von anderen. Und vor allem von uns selbst.
Denn wann nehmen wir uns eigentlich die Zeit, wirklich hinzuspüren und uns ehrlich zu fragen: Wie geht es mir gerade? Was beschäftigt mich? Was brauche ich? Und wie lautet die Antwort, wenn ich einmal all das weglasse, was ich heute erledigt und für andere getan habe?

Vielleicht beginnt genau dort etwas: bei einer Frage, die wir uns selbst wieder öfter stellen. Und bei der Erlaubnis, die Antwort darauf ernst zu nehmen.

Wie antwortest Du auf die Frage „Wie geht es Dir?“ – und wann hast Du Dir diese Frage zuletzt selbst ganz ehrlich gestellt?

Ich freue mich auf Deine Gedanken.

Weniger Funktionieren. Mehr DU.

Von Herzen
Melanie

#WenigerFunktionierenMehrDU